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Gemeinsam für die Impfung

"Gemeinsam kümmern wir uns aber darum, dass jeder auch zur Impfung kommt“

Im Landkreis Hildburghausen unterstützt ein breites Bündnis aus Verwaltung und gesellschaftlich Engagierten bei der Impflogistik. Der Seniorenbeirat hat unter anderem eine Hotline eingerichtet, an der Fragen zur Impfung gestellt werden können und an der Menschen bei der Terminfindung geholfen wird.

Mit einem breiten Grinsen steht Marion Seeber vor dem kleinen Opel in der Hildburghäuser Innenstadt. Der „rote Flitzer“, wie Marion Seeber das Fahrzeug liebevoll nennt ist gerade mehr, als nur Transportmittel. Es ist für einige Menschen die beste Möglichkeit auf eine Impfung gegen das Corona-Virus. „Unser Landkreis ist sehr ländlich geprägt. Das macht es vor allem für Ältere zum Teil schwierig, die Impfstelle in Hildburghausen zu erreichen. Gemeinsam kümmern wir uns aber darum, dass jeder auch zur Impfung kommt“, sagt Marion Seeber.

Mit ihren 73 Jahren ist sie die Seniorenbeauftragte im Landkreis Hildburghausen und kümmerte sich seit gut einem Jahr in dieser Funktion um die Anliegen der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger. Und diese Anliegen drehen sich seit Anfang dieses Jahres vor allem um ein Thema: Die Impfung gegen Covid19. „Viele Menschen haben Fragen zu dem Thema. Sie wollen wissen, wann sie dran sind und wie das abläuft“, berichtet Seeber. Zusammen mit dem Frauenkommunikationszentrum und dem zuständigen Landratsamt hat der Seniorenbeirat des Kreises daher inzwischen eine Telefonhotline geschaltet, an der alle Fragen zur Impfung und den notwendigen Voraussetzungen gestellt werden können. Immer montags sitzen gleich mehrere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zwischen 9.30 Uhr und 11.30 Uhr am Hörer antworten, klären auf, unterstützen bei der Terminvereinbarung. Mit einem Informationsblatt, dass an alle Apotheken und Medizinischen Versorgungszentren im Kreis verteilt wurde, machte der Seniorenbeirat zu Anfang des Jahres auf sein Angebot aufmerksam. Inzwischen denken die Mitglieder sogar über eine Ausweitung der Hotline-Erreichbarkeit nach. „Wir werden mit der Zeit einen Ehrenamtspool aufbauen, um somit den telefonischen Anfragen beizukommen“, sagt Marion Seeber. Denn neben Fragen rund um Wirkung und Nebenwirkung der Impfung, Ablauf und Priorisierung, gäbe es viele Anrufer, die „einfach nur reden“ wollen. Ein Beispiel für das Engagement der Hildburghäuser stammt aus Coburg, wo das System mit dem Seniorenbeirat schon länger gut funktioniert.

 
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Das Helfer-Team von Ort

 
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Dass dies auch in Thüringen klappt, davon ist Jessica Weinland-Schmidt überzeugt. Sie leitet die Kreisentwicklungsplanung des Landkreises, ist unter anderem für die Themen Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum verantwortlich. „Wir konnten viele negative Folgen der Pandemie durch unser breites Netzwerk abfedern“, sagt sie und berichtet vom „Digitalen Runden Tisch“, bei dem unter anderem Bürgermeister, Beratungseinrichtungen, Vereine und soziale Träger zusammenkommen. „So finden wir gemeinsam Lösungen für Probleme, die viele von uns betreffen.“

Eines der akuten Probleme bestand einige Zeit auch darin, die angebrochenen Impfdosen in der Hildburghäuser Impfstelle entsprechend ihrer Haltbarkeit zu verimpfen und sie nicht wegen einer spontanen Terminabsage wegwerfen zu müssen. Der Seniorenbeirat kümmerte sich darum. Er erstellte eine Nachrückerliste mit Menschen, die in der aktuellen Prioritätsgruppe sind und im Bedarfsfall binnen einer halben Stunde in der Impfstelle sein können. „Unter den Menschen, mit denen wir sprechen gibt es eine wahnsinnig hohe Impfbereitschaft“, freut Marion Seeber sich. Dennoch sei die Mobilität auf dem Land in Südthüringen eine große Herausforderung. Vom Heldburger Unterland bis in die Impfstelle sind es mehr als 20 Kilometer. „Hier unterstützen uns unter anderem der Malteser Hilfsdienst und die acht Dorfkümmerer, die all diejenigen bringen, die selbst nicht mehr fahren können und auch keine Angehörigen oder Freunde haben, die helfen können“, so Marion Seeber. Und auch sie selbst ist bei diesem Impf-Bringdienst dabei. Mit ihrem kleinen roten Flitzer.

So können auch die Kommissionierung und Auslieferung der durch die Kassenärztliche Vereinigung angeforderten Impfdosen sowie die anschließende Rücknahme der leeren Vials mit hausinternen Lösungen erfolgen. Nur durch die Unterstützung von Mitarbeitern aus allen Abteilungen sei es bisher möglich gewesen, diese große Herausforderung zu leisten.


Text und Fotos: Paul-Philipp Braun