Inhaltselment überspringen 

Gut vorbereitet für die Impflogistik

Das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz organisiert zusammen mit dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie und der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen die Impfstoff-Versorgung im Freistaat. 55 Mitarbeitende kümmern sich derzeit ausschließlich oder zeitweise um die Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Die Untersuchung von Tierkadavern, die Überwachung des Arbeitsschutzes oder die Überwachung des Arzneimittelverkehrs, um nur einige Beispiele zu nennen: Die Aufgabenvielfalt des Thüringer Landesamtes für Verbraucherschutz (TLV) ist schon immer groß. Seit einem Jahr hat das Tätigkeitsspektrum der Landesbehörde jedoch noch um einiges zugelegt. Das damals noch neuartige Corona-Virus forderte nicht nur in der Politik große Ressourcen, es rief auch das Landesamt für Verbraucherschutz auf den Plan, wie Vizepräsident Dr. Lothar Hoffmann sich erinnert: „Wir waren in der Anfangsphase der Pandemie das Zentrum für die Verteilung der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Von hier aus wurden Schutzmasken, -kittel, Desinfektionsmittel und Handschuhe in ganz Thüringen verteilt.“ Tage und Nächte lang habe man damals Schutzausrüstung angenommen, kommissioniert und gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) an Rettungsdienste, Pflegeheime und Krankenhäuser sowie verschiedene andere Bedarfsträger weiterverteilt. Erst im Sommer 2020 ging diese Anstrengung etwas zurück. „Das lag zum einen daran, dass zwischenzeitlich genügend PSA vorhanden war und die Einrichtungen selbst beschafften, zum anderen konnten wir in Mittelthüringen ein eigenes Pandemielager mit einer entsprechenden Bevorratung einrichten, von dem aus wir eine Verteilung von PSA nur noch in Notfällen gewährleisten“, erklärt Lothar Hoffmann.

Doch kaum war die Nachfrage zur Schutzausrüstung befriedigt, stellte die nächste Pandemiephase das TLV und seine Mitarbeitenden vor neue Herausforderungen: Die sich ankündigende Zeit des Impfens. „Schon im September kamen die ersten Meldungen, wonach es in absehbarer Zeit die ersten Impfstoffe geben sollte. Wir fingen also bereits damals an, Impfzubehör zu bestellen und einzulagern“, sagt Hoffmann und erklärt, dass sich seitdem tausende Kanülen, Tupfer und Fläschchen mit der für den Biontech-Impfstoff benötigten Kochsalz-Lösung in den landesweit verteilten Lagern des Amtes befinden. Parallel wurden weitere Kühlmöglichkeiten beschafft, um die bei beachtlichen Minustemperaturen von bis zu 80 Grad Celsius zu lagernden mRNA-Impfstoffe angemessen aufbewahren zu können. Ein Vorteil, den Lothar Hoffmann betont: Aufgrund seiner originären Aufgaben war das Landesamt für Verbraucherschutz schon vor der Pandemie mit etwa 30 Ultratiefkühlgeräten ausgestattet, sechs weitere sind beschafft worden, um die Vials – so der Fachausdruck für die Durchstechfläschchen – entsprechend lagern zu können. „Nur mit einer entsprechenden Lagerung können wir sicherstellen, dass für jeden Erstgeimpften auch eine zweite Dosis zur Verfügung steht“, so Lothar Hoffmann. Genau das sei es nämlich, was Thüringen von manch anderem Bundesland unterscheide: „Während wir aufgrund der vorhersehbaren Anfangsknappheit an Impfstoffen nur langsam loslegen konnten, verimpften andere Länder Erst- und Zweitdosis gleichzeitig an unterschiedliche Personen. Damit konnte man zwar zu Beginn der Impfphase Quoten vorzeigen, bekam aber mit der Zeit ernste Probleme.“ Später wurde dies auch in Thüringen auf Grund der erkennbar erhöhten Lieferfähigkeit der Impfstoffe angepasst.

 
Inhaltselment überspringen 

Einblick in die Impflogistik

 
Inhaltselment überspringen 

In Thüringen sei man daher insgesamt gut aufgestellt, meint Hoffmann und fügt hinzu, dass die Dreier-Kooperation aus dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF), der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen und dem Landesamt für Verbraucherschutz eine effektive Antwort auf die Herausforderungen der Pandemie sei.

Effektiv ist auch die Arbeit Dr. Babette Rißmanns, die eigentlich als Lebensmittelchemikerin im TLV arbeitet, inzwischen aber die Impflogistik des Amtes mit verantwortet. Zusammen mit 54 Kolleginnen und Kollegen organisiert Rißmann die Annahme und Verteilung der Impfdosen sowie des Zubehörs und der benötigten PSA.

„Der Impfstoff wird unter Polizeischutz aus den Verteilzentren der Bundeswehr in unsere verschiedenen Lager gebracht und muss dort dann seinen Anforderungen entsprechend aufbewahrt werden“, sagt Babette Rißmann. Dabei müsse es zwischen der Anlieferung mit den Spezialtransportern und dem Verbringen des Impfstoffs in die Tiefkühleinrichtungen ganz schnell gehen; die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden. „Wir haben verschiedene Überwachungsinstrumente, mit denen wir sichergehen können, dass die notwendigen Temperaturen zu jeder Zeit eingehalten werden und der Stoff damit seine Wirkung behält“, erklärt Rißmann. Lediglich drei Minuten haben die Mitarbeitenden, um den empfindlichen Impfstoff aus der Trockeneis-Box in die Tiefkühlanlagen zu bringen. 

Sind die Vials dann im Ultratiefkühler, kann die aufwendige Verwaltungsarbeit gemacht werden. „Dafür hat einer unserer Mitarbeiter ein eigenes Computerprogramm geschrieben, mit dem wir zu jeder Zeit die aktuellen Vorratsstände überprüfen können und die Verteilung an Pflegeeinrichtungen und Impfstellen organisieren“, erklärt Lothar Hoffmann. Er freue sich, dass das Landesamt diese Ressourcen bisher aus eigener Kraft aufbringen kann und damit hausintern eine eigene IT-Lösung für die vielschichtigen Anforderungen der Impflogistik hat.

So können auch die Kommissionierung und Auslieferung der durch die Kassenärztliche Vereinigung angeforderten Impfdosen sowie die anschließende Rücknahme der leeren Vials mit hausinternen Lösungen erfolgen. Nur durch die Unterstützung von Mitarbeitern aus allen Abteilungen sei es bisher möglich gewesen, diese große Herausforderung zu leisten.


Text und Fotos: Paul-Philipp Braun