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Impfen im Viertelstundentakt

Thüringenweit wird in Impfstellen die Immunisierung gegen das Corona-Virus durchgeführt. Auch in Mühlhausen kümmert sich ein fünfköpfiges Team aus Ärzten, Medizinischen Fachangestellten und Impfstellenmanagern um den Kampf gegen Covid 19.

Als eine Frau die Tür öffnet, stellt sich ein Security-Mann ihr in den Weg. „Ich muss Sie mal kurz erleuchten, bevor Sie reindürfen“, sagt er; sein fröhliches Gesicht ist trotz FFP2-Schutzmaske zu erkennen. Geduldig bleibt die Frau stehen, während der grüne Laserpunkt eines Fieberthermometers auf ihrer Stirn zu sehen ist. „36,6“ schreibt der Sicherheitsmann auf einen Zettel, gibt ihr diesen und sie darf eintreten.

Die Frau heißt Yvonne Görlach, sie ist selbstständige Physiotherapeutin und nutzt ihre Möglichkeit, sich als eine der Ersten im Impfzentrum an der Görmar-Kaserne gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. „Ich will den Impfskeptikern zeigen, dass mir keine Eselsohren wachsen“, lacht sie auf die Frage, wieso sie sich schon impfen lässt. In ihrem Job, erzählt die 39-Jährige, habe sie täglich und trotz der Pandemie eine hohe Zahl an Kontakten. „Viele meiner Patienten zählen zu den Hochrisikogruppen“, sagt Görlach und berichtet, dass aber auch junge und vermeintlich gesunde Menschen nach Erkrankungen oder Verletzungen ihre Praxis aufsuchen. Inzwischen auch einige mit Beschwerden des Post-Covid-Syndroms. Yvonne Görlach weiß aus eigener Erfahrung gut, wie schwerwiegend eine Corona-Erkrankung auch noch lange nach der akuten Phase sein kann. Dass sie sich davor schützt, ist für die Mühlhäuserin selbstverständlich.

Und so folgt sie der Weisung des Sicherheitsmannes und geht in den Rezeptionsbereich der Impfstelle. Görlach hält ihren gelben Impfausweis bereit, einen Anamnesebogen hat sie bereits zu Hause ausgefüllt und mitgebracht. Nur ihre aktuelle Temperatur muss darauf noch eingetragen werden. Das Impfteam übernimmt das, ruft parallel ihre Daten ab und druckt einen mit QR-Code versehenen „Laufzettel“ aus, den Yvonne Görlach in die Hand bekommt und der an jeder der folgenden Stationen genutzt wird.

 
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Impfstelle in Mühlhausen

 
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Eine, die zu diesem Impfteam gehört und ohne die hier vermutlich gar nichts gehen würde, das ist Tatjana Weiß. Seit Anfang des Jahres arbeitet sie als Impfstellenmanagerin, koordinierte zunächst die Impfstelle in Bad Langensalzaer Klinikum und verantwortet nun die Mühlhäuser Einrichtung. „Eine schöne Abwechslung“, nennt Weiß ihren Job, den sie so eigentlich gar nicht erlernt hat. Denn ursprünglich kommt die Wirtschaftsingenieurin aus der Automobilbranche. Zum Ende des vergangenen Jahres suchte sie eine neue Herausforderung und fand diese als Impfstellenmanagerin. „Hier muss ich alles organisieren, schnelle Entscheidungen treffen und zugleich dafür sorgen, dass alle sich wohlfühlen. Das ist genau die das, was ich wollte“, erzählt Tatjana Weiß. Sechs Mitglieder gehören zu ihrem Team. „Wir werden von der Bundeswehr im Bereich Logistik und durch niedergelassene Mediziner als Impfärzte unterstützt“, erklärt die Impfstellenmanagerin. Im Viertelstundentakt wird in der Mühlhäuser Impfstelle immunisiert, bis zu 144 Patienten kommen pro Tag.

Eine der Impfärzte ist Anja Ackermann. Die Mühlhäuser Allgemeinmedizinerin ist an diesem Tag vor Ort. In einem kleinen, schlichten Raum empfängt sie Yvonne Görlach, spricht mit ihr über den bevorstehenden Piks. Doch Yvonne Görlach hat kaum Fragen, hat sich stattdessen selbst schon eingehend mit der Impfung des Moderna mRNA-Impfstoffs vertraut gemacht.

Fröhlich wird sie von zwei Medizinischen Fachangestellten im Impfzimmer empfangen. Sie nimmt auf einem Stuhl Platz. Über ihr steht das Wort „Kreativität“ an der Wand.

Die Mühlhäuser Impfstelle ist ein ehemaliges Firmengebäude; ein Flachbau, der inmitten des Kasernenareals steht. „Wir haben hier den großen Vorteil, dass der Parkplatz direkt vor der Tür ist und wir aufgrund der Bauweise von Beginn an eine barrierefreie Impfstelle hatten“, sagt Tatjana Weiß.

Kaum hat Yvonne Görlach sich gesetzt, darf sie schon wieder aufstehen. In wenigen Sekunden ist die Impfung geschafft, sie wechselt den Stuhl. Einige Minuten lang muss sie noch im Impfzimmer verweilen, bevor eine der beiden Schwestern sie in den Nachher-Warteraum bringt. Auch hier soll Yvonne Görlach noch etwas bleiben. genau genommen noch eine Viertelstunde lang. Dann erst darf sie sich auf den Nachhauseweg machen. Für Impftellenmanagerin Tatjana Weiß eine reine Vorsichtsmaßnahme: „Wir wollen auf Nummer sicher gehen, dass es allen Patienten auch nach der Impfung noch gut geht und keine Beschwerden auftauchen.“

Erst dann darf die Frau, die kurze Zeit noch durch den Sicherheitsmann erleuchtet wurde aus der Impfstelle gehen. In vier Wochen aber wird sie wiederkommen, das gleiche Prozedere durchlaufen und sich mit der zweiten Impfdosis final gegen Covid-19 immunisieren.


Text und Fotos: Paul-Philipp Braun
Titelfoto: Jacob Schröter