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Impfen als Gemeinschaftsprojekt

Mehr als 1400 Menschen können jeden Tag im Ostthüringer Impfzentrum in Gera gegen das Coronavirus immunisiert werden. Dass dies gelingt, dazu tragen Mediziner, Bundeswehrangehörige, Sicherheitsleute und Impfstellenmanager bei. Dabei steht die Panndorfhalle im Zentrum des bundesdeutschen Pandemiegeschehens, denn Ostthüringen ist seit Wochen Corona-Hotspot.

Eine große Glasscheibe gibt den Blick auf die Halle frei. Unter ihr stehen – akkurat und mit großem Abstand ausgerichtet – gut sechs Dutzend Holzstühle. Dahinter ein Glaskasten, von welchem aus die wachen Augen eines Notfallsanitäters zwischen den Plätzen hin und her wandern. Es ist der Nach-Impf-Bereich der Geraer Panndorfhalle, einem von zwei großen Impfzentren, die in Thüringen derzeit betrieben werden und in denen jeweils bis zu 1400 Menschen am Tag gegen das Coronavirus geimpft werden. Hier werden die Menschen noch einmal beobachtet und gecheckt, bevor sie – mit Erst- oder Zweitimmunisierung versehen – auf den Heimweg dürfen.

Martin Weigelt ist einer von vier Managern, die das Impfzentrum koordinieren. Mehr als 100 Menschen leiten er und sein Team dafür an. Sie arbeiten jeden Tag in zwei Schichten, kümmern sich mit großem Engagement um die „Impflinge“, wie Weigelt sie nennt. Dabei war der Impfstellenmanager nicht immer im medizinischen Bereich tätig. Viel mehr lässt er sich als „Neuling“ bezeichnen. Denn der Ostthüringer kommt eigentlich aus der Logistik-Branche. Bevor er im Dezember zunächst die Impfstelle Jena und später das Geraer Impfzentrum leitete, war Weigelt Teamleiter eines großen Versandhauses. „Auch da habe ich mit großem Druck umgehen müssen, heute geht es für mich aber um mehr als nur das Versenden von Paketen. Es geht um die Gesundheit vieler Menschen“, erzählt Weigelt und berichtet, dass vor allem die Lage in den Ostthüringer Städten und Kreisen eine herausfordernde sei. Schon seit Wochen befindet sich etwa der Landkreis Greiz unter den Gebieten mit der höchsten 7-Tages-Inzidenz der Bundesrepublik. Auch der Saale-Orla-Kreis und Gera selbst sind im besonderen Maße von der Pandemie betroffen. „Hier ist es daher besonders wichtig, mit den Impfungen schnell und gezielt gegen schwere Krankheitsverläufe anzusteuern“, berichtet Martin Weigelt, während er durch das Impfzentrum läuft.

 
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Impfzentrum "Ostthüringen" in Gera

 
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Es ist früher Nachmittag, als Weigelt seinen routinemäßigen Kontrollgang durch die Panndorfhalle antritt. Vor der Tür hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Eine Stunde herrschte der tägliche Einlassstopp. „Wir wechseln immer am Mittag unsere Schichten, dann wird das ganze Personal einmal ausgetauscht“, sagt der Impfstellenmanager und erklärt, dass zu diesem Zeitpunkt zwar keine neuen Menschen mehr eingelassen würden, das Impfen und anschließende Beobachten in der Halle aber weiterliefe.

Erst um 14.30 Uhr geht es weiter und die angestaute Schlange löst sich binnen weniger Minuten in sprichwörtlicher Luft auf. Die Taktung der geladenen Impflinge betrüge, sagt Weigelt, drei Minuten. Die Empfehlung der Impfstelle lautet, fünf Minuten vor dem geplanten Termin an die Halle zu kommen. „Nur so vermeiden wir lange Schlangen, bei denen Menschen vor der Tür warten müssen“, erklärt Weigelt.

 
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„Wir haben hier ein gutes System und die Nachfrage nach Impfungen ist sehr hoch.“

Martin Weigelt
Impfstellenmanager im Impfzentrum Gera

 
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Das Impfzentrum ist täglich von 7.30 Uhr bis mindestens 20.30 Uhr geöffnet. Geimpft wird, bis der letzte angemeldete Patient durch ist. Insgesamt stehen sieben Impfkabinen in der Panndorfhalle. Medizinische Fachangestellte, sie kommen aus Krankenhäusern oder aus niedergelassenen Arztpraxen und arbeiten nebenberuflich, verabreichen die Impfungen. Zuvor klären Ärzte und Medizinstudenten mit ordentlicher Impfberechtigung über Risiken, Nebenwirkungen und eventuelle persönliche Fragen auf. „Wir haben hier ein gutes System und die Nachfrage nach Impfungen ist sehr hoch“, meint Weigelt und freut sich, dass alle Mitarbeitenden des Ostthüringer Impfzentrums so gut kooperieren. Denn neben dem medizinischen Personal, unterstützt auch ein Sicherheitsdienst die aktive Pandemiebekämpfung, weist die zu Impfenden ein und sorgt für Sicherheit und Ordnung. Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr tragen wiederum zu einem reibungslosen Ablauf bei der Registrierung und Verwaltung der Impfwilligen bei. Zehn von ihnen begleiten jede Schicht und stechen mit den grünen Tarnuniformen aus der Masse der Mitarbeitenden heraus.

Das Impfen sei Gemeinschaftsprojekt verschiedener Berufsgruppen, sagt Weigelt und meint, dass dies ein Sinnbild für die gesamte Pandemiebekämpfung sein könne. Schließlich beträfe Corona alle und ließe sich nur durch gezielte Impf- und Teststrategien bekämpfen.


Text und Fotos: Paul-Philipp Braun