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Die Impfung kommt zu den Leuten

Jede Thüringerin und jeder Thüringer soll ohne weite Wege zum Impfen kommen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) ist als Partner des Gesundheitsministeriums für die Organisation und praktische Umsetzung der Coronaschutzimpfung in Thüringen verantwortlich. Veit Malolepsy ist Pressesprecher der KVT. Im Gespräch berichtet er, wie die Impfungen in den Impfstellen und den Pflegeheimen bisher angelaufen sind.

Wie waren die ersten Erfahrungen der mobilen Teams, die in die Pflegeheime gingen – waren die Menschen impfwillig?

Auf jeden Fall! In den Heimen, in denen die Teams bisher waren, gab es eine sehr hohe Impfbereitschaft. Das liegt oftmals auch daran, dass die Einrichtungen ihre Impfvorbereitungen schon schnell abschließen konnten und wir dann losgelegt haben.

Auch der bisherige Anmeldungsstand der individuellen Impftermine spricht für eine hohe Willigkeit. Ich bin mir sicher, hätten wir noch mehr Impfstoff zur Verfügung, würde es auch schon mehr Anmeldungen geben!

Was waren die größten Herausforderungen bei den Vorbereitungen für die Impfstellen?

Die größte Herausforderung war, unsere Thüringer Strukturen aufzubauen und in Gang zu bekommen. Anders als viele andere Bundesländer, haben wir 29 dezentrale Impfstellen, von denen seit dem 3. Februar auch alle in Betrieb sind. Hinzu kommen die insgesamt 15 mobilen Impfteams für die angesprochenen Einrichtungen.

Mit dieser Herausforderung war aber auch die Problematik des örtlichen Personals verknüpft. Als Kassenärztliche Vereinigung Thüringens greifen wir in erster Linie auf unsere Mitglieder zurück. Hinzu kommen pensionierte Ärzte oder Ärzte in Weiterbildung, die zwar nicht unsere Mitglieder sind, aber auch nicht im Krankenhaus arbeiten und dort für andere Aufgaben gebraucht werden.

Diese Mitglieder sind die Ärzte, die jetzt schon neben Ihrer Tätigkeit in der Praxis und im Bereitschaftsdienst zusätzlich die Abstrich-Tests machen und viele Zusatzaufgaben bei der Betreuung der Pflegeheime haben. Sie werden jetzt auch für die Impfungen eingesetzt. Das alles in Einklang zu bringen, war eine ebenso große Herausforderung wie etwa die Standortsuche.

Und diese Standortsuche, wie lief die?

Im Dezember standen wir vor der Aufgabe, innerhalb von zwei bis drei Wochen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Standorte für Impfstellen zu finden, diese im Nachgang auszustatten und als Impfstellen vorzubereiten. Eine schwierige Angelegenheit, auch weil wir den Nutzungszeitraum der Einrichtungen natürlich noch nicht bestimmen können.

Seit dem 13. Januar werden die Impfstellen betrieben. Wie ist da der aktuelle Stand?

Mitte Januar haben wir die ersten 14 der insgesamt 29 Thüringer Impfstellen eröffnet, weitere 16 folgten dann am 3. Februar. Das Ganze geschah natürlich in Abhängigkeit vom Vorhandensein des Impfstoffs und mit der Planungsperspektive, dass alle Geimpften auch im vorgesehenen Zeitfenster ihre Zweitimpfung bekommen. Wir haben also immer gleich zwei Termine vergeben.

In den Impfstellen selbst ist mir im Übrigen keine große Panne bekannt. Es ging los, wie wir geplant haben. Das verdanken wir vor allem auch den sehr engagierten Impfstellenmanagern und den Ärzten und Praxispersonal in den Stellen.

 
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Impfstart in Thüringen

 
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Anders als zum Beispiel Sachsen hat man in Thüringen auf eine gewisse Kleinteiligkeit bei den Impfstellen gesetzt. Wie kommt das?

Zurückzuführen ist das auf eine Vereinbarung zwischen der Landesregierung und der KV Thüringen. Die Hauptidee dahinter, ist die Wohnortnähe. Jede Thüringerin und jeder Thüringer soll ohne weite Wege zum Impfen kommen. Es soll eben nicht so sein, dass jemand den Opa im Winter über den Rennsteig nach Erfurt fahren oder aus dem Südharz dorthin kommen muss.

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir diese Impfstrukturen – hoffentlich – für eine Übergangszeit schaffen. Danach sollen die Hausärzte das Impfen übernehmen.

Und wie lange geht diese Übergangszeit?

Sie endet dann, wenn so viel Impfstoff vorhanden ist, dass in den Praxen und bei Hausbesuchen geimpft werden kann. Das setzt aber auch voraus, dass dieser Impfstoff ohne große Schwierigkeiten und ohne eine Kühlung von minus 80 Grad Celsius gelagert werden kann.

Bis dahin müssen aber viele sensible Gruppen geimpft werden. Und das ist der Hauptgrund dafür, dass wir dieses kleinteilige und wohnortnahe Netz schaffen. Die Impfung kommt zu den Leuten.

Wann genau in den Praxen geimpft werden kann, das können wir jedoch noch nicht sagen. Leider haben wir bisher nur ganz grobe Ankündigungen dazu, wann welcher Impfstoff welches Herstellers überhaupt zur Verfügung steht, geschweige denn zu Mengen.

Ihr Hauptjob scheint gerade, für Verständnis zu werben. Trifft es das?

Wir als KV werben gerade vor allem für Vertrauen. Es geht immer wieder um dasselbe: Um ein Stückchen Vertrauen in die Akteure, die das machen. Natürlich kann man aus der Außenperspektive immer wieder kritisieren und Schwachpunkte thematisieren. Aber die Menschen, die das gerade praktisch machen, die stehen unter einem enormen Druck. Das wird oftmals vergessen.

Dann gestatten Sie bitte eine letzte Frage: Lassen Sie sich auch selbst impfen?

Sobald ich die Möglichkeit habe, werde ich das ohne zu zögern machen lassen.

 


Interview: Paul-Philipp Braun
Porträtfoto: KV Thüringen
Weitere Fotos: Jacob Schröter