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Thüringer Kabinett in Brüssel: Gesundheitsministerin Schenk für mehr europäische Arzneimittel-Souveränität

Die Thüringer Landesregierung will die Arzneimittelversorgung in Europa krisenfester machen. Bei der heutigen auswärtigen Kabinettssitzung in Brüssel hat das Kabinett auf Antrag von Gesundheitsministerin Katharina Schenk eine gemeinsame Position zur europäischen Arzneimittelversorgung beschlossen.

Die fünf zentralen Ziele:

  1. mehr europäische Produktionskapazitäten für kritische Arzneimittel und pharmazeutische Wirkstoffe

  2. gezielte europäische Investitionsprogramme für Produktionsstandorte und innovative Fertigungstechnologien

  3. ein europaweit vernetztes digitales Frühwarnsystem für Lieferengpässe

  4. schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren ohne Abstriche bei der Arzneimittelsicherheit

  5. eine engere Zusammenarbeit von EU, Mitgliedstaaten, pharmazeutischer Industrie, Großhandel, Apotheken und Gesundheitseinrichtungen

„Arzneimittelversorgung ist Daseinsvorsorge. Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass sie ihre notwendigen Medikamente bekommen – auch dann, wenn internationale Lieferketten unter Druck geraten. Deshalb brauchen wir mehr Arzneimittelproduktion in Europa und weniger strategische Abhängigkeiten von anderen Teilen der Welt“, sagt Gesundheitsministerin Katharina Schenk.

Die Europäische Union verfügt über eine starke Forschungs- und Innovationslandschaft. Gleichzeitig werden zahlreiche kritische Arzneimittel und pharmazeutische Wirkstoffe, wie zum Beispiel Paracetamol, Ibuprofen oder Penicillin, heute vorrangig außerhalb Europas produziert. Hoch konzentrierte Lieferketten, steigende Kosten sowie globale Krisen und geopolitische Spannungen erhöhen die Risiken für die Versorgung.

Schenk sieht deshalb insbesondere die EU in der Verantwortung: „Wir müssen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre die richtigen Konsequenzen ziehen. Europa darf bei lebenswichtigen Arzneimitteln nicht dauerhaft von einzelnen Produktionsstandorten und Lieferketten abhängig sein.“

Die Landesregierung begrüßt deshalb die europäischen Vorhaben zur Stärkung der Arzneimittel- und Biotechnologiebranche ausdrücklich. Der Critical Medicines Act, der EU Biotech Act und die laufende Reform des europäischen Arzneimittelrechts seien wichtige Schritte, um Versorgungssicherheit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa zusammenzudenken, so Schenk.

Lieferengpässe früher erkennen – Genehmigungen beschleunigen

Neben dem Ausbau europäischer Produktionskapazitäten spricht sich Thüringen für ein europaweit vernetztes digitales Frühwarnsystem aus. Lieferengpässe sollen möglichst früh erkannt werden, damit Mitgliedstaaten und Akteure im Gesundheitswesen rechtzeitig reagieren können.

„Bei einem Arzneimittelengpass zählt Zeit. Wir müssen wissen, wo sich Engpässe abzeichnen, bevor sie die Patienten erreichen. Ein vernetztes europäisches Frühwarnsystem kann dabei ein entscheidender Baustein sein“, so Schenk.

Gleichzeitig gilt es, unnötige regulatorische Hürden abzubauen und Genehmigungsverfahren dort zu vereinfachen und zu beschleunigen, wo dies ohne Abstriche bei der Sicherheit möglich ist.

Thüringer Interessen in Europa einbringen

Die Landesregierung will die europäischen Entwicklungen aus einer spezifischen Thüringer Perspektive begleiten. Gerade für ein Flächenland mit einer älter werdenden Bevölkerung ist eine verfügbare, bezahlbare und auch im Krisenfall verlässliche Arzneimittelversorgung von besonderer Bedeutung.

„Europäische Entscheidungen wirken unmittelbar bei uns vor Ort – in unseren Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern und letztlich bei jedem Thüringer Patienten. Deshalb ist es wichtig, die Thüringer Perspektive dort einzubringen, wo die Entscheidungen getroffen werden: in Brüssel“, erläutert Schenk. „Europa muss jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit lebenswichtige Arzneimittel auch in einer geopolitisch unsicheren Welt zuverlässig verfügbar bleiben. Thüringen wird sich dafür starkmachen.“