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Psychiatrische Versorgung

Bei der Entwicklung der psychiatrischen Versorgung im Freistaat Thüringen steht die Förderung der Gleichstellung, Selbstbestimmung und Teilhabe psychisch kranker Menschen an erster Stelle.

 
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Ziel ist eine noch bessere Vernetzung und Verzahnung aller Angebote. Vernetzte Strukturen wie etwa bei der Kooperation der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit der Kinder- und Jugendhilfe oder bei den Gesundheitszielen kommen allen Beteiligten zu Gute. Daher werden auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen, um ambulante, komplementäre, rehabilitative und stationäre Versorgungsangebote zu koordinieren.

 
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Psychiatriewegweiser

Psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine solche Diagnose stellt nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Familie und das soziale Umfeld vor Herausforderungen.

Die Möglichkeit, über die psychische Erkrankung offen reden zu können, ist für viele Menschen der erste Schritt aus einer oft eingetretenen Isolation. Ansatz und Anspruch ist es daher, den Angehörigen in ihrer veränderten und schwierigen Lebenssituation zu helfen und zu unterstützen.

Der Psychiatriewegweiser Thüringen bietet eine umfassende Übersicht über die Angebote und Arbeitsschwerpunkte der psychiatrischen Versorgung im Freistaat. Der Wegweiser ist für Betroffene und Angehörige, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Einrichtungen und Diensten eine wertvolle Hilfe.

 
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Öffentlich-rechtliche Unterbringung

Weitergehende Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch kranke Menschen einschließlich der Unterbringung in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus oder in der psychiatrischen Fachabteilung eines Krankenhauses sind im Thüringer Gesetz zur Hilfe und Unterbringung psychisch kranker Menschen (ThürPsychKG) geregelt. Bei allen Maßnahmen aufgrund dieses Gesetzes ist auf das Befinden des psychisch kranken Menschen besondere Rücksicht zu nehmen. Seine Rechte und seine Würde sind zu wahren (Fürsorgegrundsatz).

Die Voraussetzungen für die öffentlich-rechtliche Unterbringung einer Person sind:

  • Psychische Störung der Person
  • Erhebliche Selbstgefährdung, Gefährdung anderer oder Gefährdung des Allgemeinwohls aufgrund der psychischen Störung
  • Erhebliche Beeinträchtigung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit
  • Die Gefährdung kann nicht durch mildere Mittel abgewendet werden (z.B. Hinzuziehen des Sozialpsychiatrischen Dienstes)

Liegen diese Voraussetzungen vor, kann die Person öffentlich-rechtlich in psychiatrischen Fachkrankenhäusern oder Fachabteilungen auch ohne oder gegen ihren Willen untergebracht werden (Art. 7 ThürPsychKG).

Die öffentlich-rechtliche Unterbringung gliedert sich in zwei Bereiche: die sofortige vorläufige Unterbringung und die gerichtliche Unterbringung.

 
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Gerichtliche Unterbringung

Eine gerichtliche Unterbringung erfolgt auf Antrag der Kreisverwaltungsbehörde (Landratsämter oder kreisfreie Städte) beim zuständigen Gericht, nachdem die Behörde das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Unterbringung von Amts wegen festgestellt hat. Kommt das Gericht ebenfalls zu der Entscheidung, dass die Voraussetzungen für die öffentlich-rechtliche Unterbringung erfüllt sind, ordnet das Gericht diese an (= gerichtliche Unterbringung).

Sofortige vorläufige Unterbringung

Falls eine gerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig ergehen und trotzdem eine sofortige Unterbringung notwendig ist, kann diese auch von der Kreisverwaltungsbehörde oder von der Polizei angeordnet werden (= sofortige vorläufige Unterbringung). Befindet sich die betroffene Person bereits in einer entsprechenden Einrichtung, kann auch die fachliche Leitung der Einrichtung die sofortige vorläufige Unterbringung anordnen. In diesen Fällen ist das Gericht und ggf. die zuständige Kreisverwaltungsbehörde von der Unterbringung unverzüglich zu benachrichtigen.

 
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Maßregelvollzug

Im Maßregelvollzug werden, im Gegensatz zum Strafvollzug, psychisch kranke oder schwer persönlichkeitsgestörte Rechtsbrecher untergebracht, die in nicht behandeltem Zustand eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Die im Maßregelvollzug durchgeführte mehrjährige Behandlung hat das Ziel, diese Patienten zu resozialisieren und in die Gesellschaft wieder einzugliedern. Näheres regelt das Thüringer Maßregelvollzugsgesetz (ThürMRVG).

Der Maßregelvollzug in Thüringen wird für psychisch kranke oder suchtkranke Rechtsbrecher in den Kliniken für Forensische Psychiatrie am Asklepios Fachklinikums für Psychiatrie und Neurologie Stadtroda, am Ökumenischen Hainich Klinikums Mühlhausen und an den Helios Fachkliniken Hildburghausen vollzogen.

Maßregeln der Besserung und Sicherung gehören zu den Rechtsfolgen, die eine Straftat nach sich ziehen kann. Anders als die Anordnung einer Strafe setzen Maßregeln keine Schuld voraus. Auch gegenüber Rechtsbrechern, die nicht oder nur erheblich vermindert in der Lage sind das Unrecht der Tat einzusehen bzw. nach dieser Einsicht zu handeln (§§ 20, 21 Strafgesetzbuch - StGB), können vom Gericht Maßregeln der Besserung und Sicherung angeordnet werden. Maßregeln der Besserung und Sicherung können neben oder statt einer Strafe angeordnet werden.